Der Vagusnerv: Dein Schlüssel zu innerer Ruhe und Entspannung

Symbolbild

Vagusnerv

Der Vagusnerv: Dein Schlüssel zu innerer Ruhe und Entspannung

Simone Christine Schraner
16. November 2025
15 Min Lesezeit

Der Vagusnerv: Dein Schlüssel zu innerer Ruhe und Entspannung

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist der Vagusnerv?
  2. Anatomie und Funktion
  3. Die Polyvagal-Theorie
  4. Vagusnerv-Ton: Was ist das?
  5. Symptome eines schwachen Vagusnerv-Tons
  6. Wie du deinen Vagusnerv aktivierst
  7. Die 4-4-Atmung für den Vagusnerv
  8. Weitere Vagusnerv-Übungen
  9. Vagusnerv und Verdauung
  10. Vagusnerv und Entzündungen
  11. Vagusnerv und mentale Gesundheit
  12. Fazit und nächste Schritte

Was ist der Vagusnerv?

Der Vagusnerv (lateinisch: Nervus vagus, "der umherschweifende Nerv") ist der 10. Hirnnerv und der längste und komplexeste Nerv deines autonomen Nervensystems. Er ist der Hauptnerv des Parasympathikus – des Teils deines Nervensystems, der für Entspannung, Erholung und Regeneration zuständig ist.

Der Name "vagus" bedeutet "wandernd" oder "umherschweifend", weil dieser Nerv vom Hirnstamm ausgehend durch deinen gesamten Körper wandert und fast alle wichtigen Organe verbindet:

  • Gehirn – Hirnstamm und limbisches System
  • Herz – Reguliert die Herzfrequenz
  • Lunge – Steuert die Atmung
  • Magen – Kontrolliert die Verdauung
  • Darm – Beeinflusst die Darmbewegung
  • Leber – Reguliert den Stoffwechsel
  • Milz – Steuert Entzündungsreaktionen

Der Vagusnerv ist wie eine Autobahn der Kommunikation zwischen deinem Gehirn und deinem Körper. Etwa 80% der Nervenfasern des Vagusnerv sind afferent – das bedeutet, sie senden Informationen vom Körper zum Gehirn, nicht umgekehrt. Dein Körper "spricht" also mehr zu deinem Gehirn als dein Gehirn zu deinem Körper.

Diese bidirektionale Kommunikation ist entscheidend für deine Fähigkeit, dich zu entspannen, zu erholen und auf Stress zu reagieren.

Anatomie und Funktion

Der Vagusnerv besteht aus zwei Hauptästen:

1. Der dorsale (hintere) Vagus

Der dorsale Vagus ist der ältere, primitivere Teil des Vagusnervs. Er ist verantwortlich für:

  • Erstarrung und Shutdown – Die "Freeze"-Reaktion bei überwältigendem Stress
  • Verdauung – Aktivierung der Verdauungsorgane
  • Konservierung von Energie – Verlangsamung des Stoffwechsels

Wenn der dorsale Vagus dominiert, fühlst du dich:

  • Überwältigt und gelähmt
  • Emotional taub
  • Erschöpft und energielos
  • Sozial zurückgezogen

Dieser Zustand ist hilfreich, wenn du dich in echter Lebensgefahr befindest (z.B. bei einem Angriff), aber problematisch, wenn er chronisch wird.

2. Der ventrale (vordere) Vagus

Der ventrale Vagus ist der neuere, evolutionär fortgeschrittenere Teil. Er ist verantwortlich für:

  • Soziales Engagement – Verbindung mit anderen Menschen
  • Beruhigung – Entspannung nach Stress
  • Gesichtsausdruck – Steuerung der Gesichtsmuskeln
  • Stimme – Modulation der Stimmlage

Wenn der ventrale Vagus aktiviert ist, fühlst du dich:

  • Sicher und verbunden
  • Ruhig und entspannt
  • Offen für soziale Interaktion
  • Emotional reguliert

Dieser Zustand ist ideal für Gesundheit, Wohlbefinden und soziale Beziehungen.

Die Verbindung zum Herzen

Der Vagusnerv ist direkt mit deinem Herzen verbunden und reguliert die Herzfrequenz. Wenn der Vagusnerv aktiviert ist, verlangsamt sich dein Herzschlag. Diese Verbindung ist der Grund, warum Herzkohärenz und Vagusnerv-Aktivierung Hand in Hand gehen.

Mehr über Herzkohärenz erfährst du in unserem umfassenden Artikel: Was ist Herzkohärenz?

Die Polyvagal-Theorie

Die Polyvagal-Theorie wurde von Dr. Stephen Porges entwickelt und revolutionierte unser Verständnis des autonomen Nervensystems. "Polyvagal" bedeutet "viele Vagusnerven" und bezieht sich auf die Tatsache, dass der Vagusnerv aus mehreren Ästen besteht, die unterschiedliche Funktionen haben.

Die drei Zustände des autonomen Nervensystems

Laut Porges gibt es drei hierarchische Zustände:

1. Ventrale Vagus-Aktivierung (Soziales Engagement)

Dies ist der optimale Zustand. Du fühlst dich:

  • Sicher und verbunden
  • Offen für Kommunikation
  • Emotional reguliert
  • Neugierig und spielerisch

In diesem Zustand kannst du:

  • Klar denken
  • Empathisch fühlen
  • Kreativ sein
  • Gesunde Beziehungen pflegen

2. Sympathikus-Aktivierung (Kampf oder Flucht)

Wenn du eine Bedrohung wahrnimmst, aktiviert sich der Sympathikus. Du fühlst dich:

  • Alarmiert und angespannt
  • Bereit zu kämpfen oder zu fliehen
  • Fokussiert auf Überleben
  • Emotional reaktiv

In diesem Zustand:

  • Steigt dein Herzschlag
  • Wird deine Atmung schneller
  • Spannen sich deine Muskeln an
  • Wird deine Verdauung gehemmt

3. Dorsale Vagus-Aktivierung (Erstarrung/Shutdown)

Wenn die Bedrohung überwältigend ist, aktiviert sich der dorsale Vagus. Du fühlst dich:

  • Gelähmt und erstarrt
  • Emotional taub
  • Hoffnungslos
  • Sozial isoliert

In diesem Zustand:

  • Sinkt dein Blutdruck
  • Verlangsamt sich dein Herzschlag extrem
  • Fühlst du dich dissoziiert
  • Ziehst du dich zurück

Die Vagus-Leiter

Porges beschreibt diese drei Zustände als eine Leiter, die du auf- und absteigst, je nachdem, wie sicher oder bedroht du dich fühlst:

Ventrale Vagus (Sicherheit) ← Optimal
        ↕
Sympathikus (Mobilisierung)
        ↕
Dorsale Vagus (Shutdown) ← Problematisch

Das Ziel ist, so viel Zeit wie möglich im ventralen Vagus-Zustand zu verbringen. Vagusnerv-Aktivierung hilft dir, diese Leiter nach oben zu klettern.

Vagusnerv-Ton: Was ist das?

Der Vagusnerv-Ton (Vagal Tone) ist ein Maß dafür, wie aktiv und gesund dein Vagusnerv ist. Ein hoher Vagusnerv-Ton bedeutet, dass dein Vagusnerv gut funktioniert und dein Parasympathikus stark ist.

Wie wird der Vagusnerv-Ton gemessen?

Der Vagusnerv-Ton wird durch die Herzratenvariabilität (HRV) gemessen. Eine hohe HRV deutet auf einen hohen Vagusnerv-Ton hin, eine niedrige HRV auf einen schwachen Vagusnerv-Ton.

Warum ist das so? Weil der Vagusnerv die Herzfrequenz reguliert. Wenn du einatmest, hemmt der Sympathikus den Vagusnerv leicht, und dein Herzschlag beschleunigt sich. Wenn du ausatmest, aktiviert sich der Vagusnerv, und dein Herzschlag verlangsamt sich.

Diese rhythmische Variation ist ein Zeichen für einen gesunden, flexiblen Vagusnerv.

Vorteile eines hohen Vagusnerv-Tons

Menschen mit einem hohen Vagusnerv-Ton haben:

  • Bessere emotionale Regulation – Sie können mit Stress besser umgehen
  • Schnellere Erholung – Sie kommen nach stressigen Ereignissen schneller zur Ruhe
  • Stärkeres Immunsystem – Weniger Entzündungen und Infektionen
  • Bessere soziale Verbindungen – Mehr Empathie und soziale Kompetenz
  • Bessere Verdauung – Weniger Verdauungsprobleme
  • Bessere Schlafqualität – Tieferer, erholsamerer Schlaf

Faktoren, die den Vagusnerv-Ton beeinflussen

Dein Vagusnerv-Ton wird beeinflusst durch:

  • Genetik – Manche Menschen haben von Natur aus einen höheren Vagusnerv-Ton
  • Kindheitserfahrungen – Sichere Bindung in der Kindheit fördert einen hohen Vagusnerv-Ton
  • Chronischer Stress – Senkt den Vagusnerv-Ton
  • Bewegung – Regelmäßige Bewegung erhöht den Vagusnerv-Ton
  • Soziale Verbindungen – Positive Beziehungen stärken den Vagusnerv-Ton
  • Atemübungen – Gezielte Atemtechniken wie die 4-4-Atmung erhöhen den Vagusnerv-Ton

Die gute Nachricht: Auch wenn dein Vagusnerv-Ton derzeit niedrig ist, kannst du ihn durch gezieltes Training verbessern.

Symptome eines schwachen Vagusnerv-Tons

Ein schwacher Vagusnerv-Ton kann sich auf vielfältige Weise zeigen:

Emotionale Symptome

  • Ängstlichkeit – Ständiges Gefühl von Unruhe und Sorge
  • Depressionen – Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit
  • Emotionale Dysregulation – Schwierigkeiten, Emotionen zu kontrollieren
  • Reizbarkeit – Schnell gereizt und frustriert
  • Soziale Isolation – Rückzug von sozialen Kontakten

Körperliche Symptome

  • Verdauungsprobleme – Verstopfung, Durchfall, Reizdarmsyndrom
  • Chronische Entzündungen – Erhöhte Entzündungsmarker im Blut
  • Herzprobleme – Unregelmäßiger Herzschlag, Herzrasen
  • Schlafstörungen – Schwierigkeiten einzuschlafen oder durchzuschlafen
  • Chronische Müdigkeit – Ständige Erschöpfung
  • Kopfschmerzen – Häufige Spannungskopfschmerzen oder Migräne

Kognitive Symptome

  • Gehirnnebel – Schwierigkeiten, klar zu denken
  • Konzentrationsprobleme – Leichte Ablenkbarkeit
  • Gedächtnisprobleme – Vergesslichkeit

Wenn du mehrere dieser Symptome bei dir erkennst, könnte ein schwacher Vagusnerv-Ton die Ursache sein. Die gute Nachricht: Du kannst deinen Vagusnerv trainieren und stärken.

Wie du deinen Vagusnerv aktivierst

Es gibt viele Methoden, um deinen Vagusnerv zu aktivieren und deinen Vagusnerv-Ton zu verbessern. Hier sind die effektivsten:

1. Atemübungen

Langsame, tiefe Atmung ist eine der kraftvollsten Methoden, um den Vagusnerv zu aktivieren. Die 4-4-Atmung (4 Sekunden ein, 4 Sekunden aus) ist besonders effektiv, weil sie die optimale Resonanzfrequenz für Herzkohärenz und Vagusnerv-Aktivierung trifft.

2. Kaltes Wasser

Kaltes Wasser im Gesicht oder am Körper aktiviert den Vagusnerv durch den sogenannten "Tauchreflex". Du kannst:

  • Dein Gesicht in kaltes Wasser tauchen
  • Kalt duschen (besonders am Ende einer warmen Dusche)
  • Kalte Kompressen auf dein Gesicht legen

3. Summen, Singen, Gurgeln

Der Vagusnerv ist mit deinen Stimmbändern verbunden. Summen, Singen oder Gurgeln stimuliert den Vagusnerv mechanisch. Probiere:

  • Morgens beim Zähneputzen zu gurgeln
  • Unter der Dusche zu singen
  • "Om" zu summen während der Meditation

4. Soziale Verbindungen

Positive soziale Interaktionen aktivieren den ventralen Vagus. Verbringe Zeit mit Menschen, die dir guttun:

  • Tiefe Gespräche mit Freunden
  • Umarmungen
  • Gemeinsames Lachen
  • Augenkontakt

5. Bewegung

Regelmäßige, moderate Bewegung erhöht den Vagusnerv-Ton. Besonders effektiv sind:

  • Yoga – Kombiniert Atmung, Bewegung und Entspannung
  • Tai Chi – Sanfte, fließende Bewegungen
  • Spazierengehen – In der Natur, ohne Ablenkung

6. Massage

Massage, besonders im Nacken- und Schulterbereich, kann den Vagusnerv stimulieren. Du kannst auch selbst:

  • Deinen Nacken massieren
  • Deine Ohren massieren (der Vagusnerv verläuft durch das Ohr)
  • Deinen Bauch im Uhrzeigersinn massieren

7. Meditation und Achtsamkeit

Meditation aktiviert den Parasympathikus und stärkt den Vagusnerv-Ton langfristig. Besonders effektiv sind:

  • Loving-Kindness Meditation – Fokus auf Mitgefühl
  • Body Scan – Bewusste Körperwahrnehmung
  • Atemmeditation – Fokus auf den Atem

Die 4-4-Atmung für den Vagusnerv

Die 4-4-Atmung ist eine der einfachsten und effektivsten Methoden, um deinen Vagusnerv zu aktivieren. Sie kombiniert die Vorteile von langsamer Atmung, Herzkohärenz und Vagusnerv-Stimulation.

Warum funktioniert die 4-4-Atmung?

Die 4-4-Atmung (4 Sekunden ein, 4 Sekunden aus) führt zu etwa 7,5 Atemzügen pro Minute. Diese Frequenz ist nahe an der Resonanzfrequenz deines Herz-Kreislauf-Systems – etwa 5-6 Atemzüge pro Minute.

Bei dieser Frequenz passiert Folgendes:

  1. Dein Herzschlag synchronisiert sich mit deiner Atmung – Herzkohärenz entsteht
  2. Dein Vagusnerv wird maximal stimuliert – Der Parasympathikus wird aktiviert
  3. Dein Blutdruck wird reguliert – Druckrezeptoren in deinen Arterien werden stimuliert
  4. Dein Nervensystem beruhigt sich – Der Sympathikus wird gehemmt

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Setze oder lege dich bequem hin – Schließe die Augen
  2. Lege eine Hand auf dein Herz – Das verstärkt die Verbindung
  3. Atme durch die Nase ein – Zähle langsam bis 4 (etwa 4 Sekunden)
  4. Atme durch die Nase oder den Mund aus – Zähle langsam bis 4
  5. Wiederhole diesen Rhythmus – Für mindestens 5 Minuten

Tipps für die Praxis

  • Zähle langsam – Etwa im Sekundentakt, nicht zu schnell
  • Atme natürlich – Nicht zu tief, nicht zu flach
  • Sei geduldig – Es kann 2-3 Minuten dauern, bis sich die Wirkung einstellt
  • Übe täglich – Am besten zur gleichen Zeit, um eine Routine aufzubauen

Mehr über Herzkohärenz und die 4-4-Atmung erfährst du in unserem Pillar-Artikel: Was ist Herzkohärenz?

Weitere Vagusnerv-Übungen

Neben der 4-4-Atmung gibt es weitere effektive Übungen:

1. Wechselatmung (Nadi Shodhana)

Diese Yoga-Atemtechnik balanciert das Nervensystem:

  1. Schließe dein rechtes Nasenloch mit dem Daumen
  2. Atme durch das linke Nasenloch ein (4 Sekunden)
  3. Schließe das linke Nasenloch mit dem Ringfinger
  4. Atme durch das rechte Nasenloch aus (4 Sekunden)
  5. Atme durch das rechte Nasenloch ein (4 Sekunden)
  6. Schließe das rechte Nasenloch
  7. Atme durch das linke Nasenloch aus (4 Sekunden)
  8. Wiederhole für 5-10 Minuten

2. Valsalva-Manöver

Diese Technik erhöht den Druck im Brustkorb und stimuliert den Vagusnerv:

  1. Atme tief ein
  2. Halte die Luft an
  3. Presse, als würdest du auf die Toilette gehen (aber nicht zu stark)
  4. Halte für 10-15 Sekunden
  5. Atme langsam aus
  6. Wiederhole 3-5 Mal

Achtung: Nicht geeignet bei Bluthochdruck oder Herzproblemen.

3. Ohrmassage

Der Vagusnerv verläuft durch das Ohr. Massiere sanft:

  1. Die Ohrmuschel
  2. Das Ohrläppchen
  3. Den äußeren Gehörgang (vorsichtig)

Massiere für 2-3 Minuten pro Ohr.

4. Zungendehnung

Der Vagusnerv ist mit der Zunge verbunden:

  1. Öffne deinen Mund weit
  2. Strecke die Zunge so weit wie möglich heraus
  3. Halte für 10 Sekunden
  4. Wiederhole 5 Mal

Diese Übung wird auch in der Yoga-Praxis (Löwen-Atem) verwendet.

Vagusnerv und Verdauung

Der Vagusnerv spielt eine zentrale Rolle bei der Verdauung. Er steuert:

  • Speichelproduktion – Für die Vorverdauung
  • Magensäure – Für die Proteinverdauung
  • Darmbewegung – Peristaltik für den Transport der Nahrung
  • Enzymproduktion – Für die Nährstoffaufnahme

Wenn dein Vagusnerv schwach ist, kann das zu Verdauungsproblemen führen:

  • Verstopfung – Langsame Darmbewegung
  • Durchfall – Unregelmäßige Darmbewegung
  • Reizdarmsyndrom – Dysregulation der Darmfunktion
  • Sodbrennen – Unzureichende Magensäure
  • Blähungen – Gestörte Verdauung

Die Darm-Hirn-Achse

Der Vagusnerv ist der Hauptkommunikationsweg der Darm-Hirn-Achse. Dein Darm sendet ständig Signale an dein Gehirn über den Vagusnerv:

  • Nährstoffstatus – Hast du genug gegessen?
  • Mikrobiom-Zustand – Sind deine Darmbakterien gesund?
  • Entzündungslevel – Gibt es Entzündungen im Darm?

Diese Signale beeinflussen deine Stimmung, Energie und Gesundheit. Ein gesunder Vagusnerv bedeutet eine gesunde Darm-Hirn-Kommunikation.

Praktische Tipps für bessere Verdauung

  1. Atme vor dem Essen – 2 Minuten 4-4-Atmung aktiviert den Parasympathikus und bereitet deinen Körper auf die Verdauung vor
  2. Esse langsam und bewusst – Kaue gründlich, um die Verdauung zu unterstützen
  3. Vermeide Stress beim Essen – Esse nicht am Schreibtisch oder vor dem Fernseher
  4. Bauchmassage – Massiere deinen Bauch im Uhrzeigersinn nach dem Essen

Vagusnerv und Entzündungen

Der Vagusnerv spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Entzündungen im Körper. Er ist Teil des sogenannten cholinergen anti-inflammatorischen Reflexes.

Wie funktioniert das?

Wenn dein Körper eine Entzündung erkennt, sendet er Signale über den Vagusnerv ans Gehirn. Das Gehirn antwortet, indem es den Vagusnerv aktiviert, der dann Acetylcholin freisetzt. Acetylcholin hemmt die Produktion von entzündungsfördernden Zytokinen wie TNF-alpha und IL-6.

Mit anderen Worten: Ein aktiver Vagusnerv reduziert Entzündungen im Körper.

Chronische Entzündungen

Chronische Entzündungen sind die Ursache vieler moderner Krankheiten:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Diabetes
  • Autoimmunerkrankungen
  • Depressionen
  • Alzheimer

Ein schwacher Vagusnerv-Ton ist mit höheren Entzündungsmarkern im Blut verbunden. Umgekehrt kann ein starker Vagusnerv-Ton Entzündungen reduzieren und das Risiko für diese Krankheiten senken.

Vagusnerv-Stimulation bei Entzündungen

Studien haben gezeigt, dass elektrische Vagusnerv-Stimulation (VNS) bei entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Morbus Crohn wirksam ist. Aber du brauchst keine teure medizinische Ausrüstung – Atemübungen, Meditation und Bewegung können ähnliche Effekte haben, wenn auch subtiler.

Vagusnerv und mentale Gesundheit

Der Vagusnerv hat einen tiefgreifenden Einfluss auf deine mentale Gesundheit. Ein schwacher Vagusnerv-Ton ist mit verschiedenen psychischen Erkrankungen verbunden:

Angststörungen

Menschen mit Angststörungen haben oft einen niedrigen Vagusnerv-Ton. Ihr Nervensystem ist ständig in Alarmbereitschaft (Sympathikus-Dominanz), und sie können sich nicht entspannen.

Vagusnerv-Training kann helfen, die Angst zu reduzieren, indem es:

  • Den Parasympathikus aktiviert
  • Die Amygdala beruhigt
  • Die Herzratenvariabilität erhöht

Depressionen

Auch bei Depressionen ist der Vagusnerv-Ton oft niedrig. Interessanterweise wird Vagusnerv-Stimulation (VNS) als Behandlung für therapieresistente Depressionen eingesetzt.

Natürliche Vagusnerv-Aktivierung durch Atmung, Bewegung und soziale Verbindungen kann ebenfalls antidepressive Effekte haben.

PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung)

Menschen mit PTBS haben oft einen dysregulierten Vagusnerv. Ihr Nervensystem springt unkontrolliert zwischen Sympathikus-Aktivierung (Kampf/Flucht) und dorsaler Vagus-Aktivierung (Erstarrung) hin und her.

Die Polyvagal-Theorie hat neue Therapieansätze für PTBS inspiriert, die darauf abzielen, den ventralen Vagus zu stärken und das Gefühl von Sicherheit wiederherzustellen.

Soziale Verbindungen

Der ventrale Vagus ist der "Nerv der Verbindung". Wenn er aktiviert ist, bist du:

  • Offen für soziale Interaktion
  • Empathisch
  • Kommunikativ
  • Spielerisch

Ein starker Vagusnerv-Ton ist mit besseren sozialen Beziehungen verbunden. Menschen mit hohem Vagusnerv-Ton haben mehr Freunde, tiefere Beziehungen und fühlen sich weniger einsam.

Fazit und nächste Schritte

Der Vagusnerv ist weit mehr als nur ein Nerv – er ist der Schlüssel zu innerer Ruhe, Gesundheit und Wohlbefinden. Er verbindet dein Gehirn mit deinem Körper, reguliert deine Emotionen, steuert deine Verdauung und kontrolliert Entzündungen.

Ein starker Vagusnerv-Ton bedeutet:

  • Bessere emotionale Regulation
  • Schnellere Erholung von Stress
  • Stärkeres Immunsystem
  • Bessere Verdauung
  • Tiefere soziale Verbindungen
  • Bessere mentale Gesundheit

Die gute Nachricht: Du kannst deinen Vagusnerv trainieren und stärken. Die 4-4-Atmung ist eine der einfachsten und effektivsten Methoden, um deinen Vagusnerv zu aktivieren und deinen Vagusnerv-Ton zu verbessern.

Deine nächsten Schritte

  1. Beginne heute – Nimm dir 5 Minuten Zeit für die 4-4-Atmung
  2. Baue eine Routine auf – Übe täglich, am besten zur gleichen Zeit
  3. Experimentiere – Probiere verschiedene Vagusnerv-Übungen aus und finde heraus, was für dich am besten funktioniert
  4. Vertiefe dein Wissen – Lies unsere verwandten Artikel über Herzkohärenz und Pferdeenergie
  5. Messe deine Fortschritte – Nutze ein HRV-Messgerät, um deinen Vagusnerv-Ton zu verfolgen

Bereit, deinen Vagusnerv zu aktivieren?

Wenn du den Vagusnerv strukturiert aktivieren und in deinen Alltag integrieren möchtest, ist unser Mini-Kurs: Präsenz, Vagusnerv & Pferdeenergie genau das Richtige für dich.

Jetzt Mini-Kurs starten →


Über die Autorin:

Simone Christine Schraner ist Gründerin von Starlight GmbH und Expertin für pferdegestützte Körperarbeit und Vagusnerv-Aktivierung. Sie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit der intuitiven Weisheit der Pferde, um Menschen zu helfen, ihr Nervensystem zu regulieren und in ihre Präsenz zu finden.


Keywords: Vagusnerv, Parasympathikus, Nervensystem beruhigen, Polyvagal-Theorie, Vagusnerv-Ton, 4-4-Atmung, Herzkohärenz, Stressmanagement, Verdauung, Entzündungen, mentale Gesundheit, Körperpräsenz

VagusnervParasympathikusNervensystem beruhigenPolyvagal-TheorieAtemübung4-4-Atmung

Bereit, Herzkohärenz selbst zu erleben?

Unser Mini-Kurs bietet dir eine einfache, sofort wirksame Anleitung für mehr Körperpräsenz und innere Ruhe.